Vom Wald in die Werkstatt: Forstarbeiter

Wer fällt eigentlich einen Baum? Was passiert mit einem Baum, bevor er im Sägewerk zu handlichen Bohlen oder Brettern gesägt wird? Viele der dazwischenliegenden Aufgaben werden von Forstarbeitern abgedeckt. Wie das in der Praxis aussieht haben wir Stefan Nestle gefragt - viel Spaß beim Lesen unseres Interviews!
Vom Wald in die Werkstatt: Forstarbeiter

Über diese Serie

Welche verschiedenen Akteure sind eigentlich beteiligt, bis in der Werkstatt Holz verarbeitet werden kann? Um Dir einen breiten Überblick zu ermöglichen, möchten wir in den nächsten Monaten verschiedene Beteiligte vorstellen und so einen Einblick in den Weg unseres Holzes geben. Dafür recherchieren wir, fragen Menschen die potentiell mehr Ahnung haben als wir und führen so das ein oder andere Interview.

Am Baum: Forst- und Waldarbeiter

Der heutige Beitrag soll einen kleinen Einblick geben, welche Aufgaben nötig sind, um ein Stück Wald zu pflegen und langfristig wirtschaftlich zu nutzen. Schon vorneweg: es gehören bei weitem mehr Tätigkeiten dazu, als man erwartet. "Einfach wachsen lassen" und "irgendwann damit Geld verdienen" klappt in der Regel nicht.

Eine kurze Vorstellung

Um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, haben wir Stefan einen halben Tag lang im Wald begleitet. Natürlich ein viel zu kurzer Zeitraum, um die Komplexität tatsächlich vollumfassend erfassen zu können. Für einen ersten Einblick aber durchaus gut.

Waldarbeiter

Stefan ist gerade auf dem Weg eine Fortbildung zum Forstwirt zu machen. "Nebenbei" ist er aber auch schon jeden Tag, wenn das Wetter passt, ab sechs Uhr morgens im Wald rund um Dentlein, Dürrwangen und Dinkelsbühl (in Mittelfranken) unterwegs.

Dabei führt er insbesondere motormanuelle Holzernte für kleinere und mittelgroße Flächen von Privatwaldbesitzern durch. Gebucht wird er entweder direkt vom Besitzer oder über Forstbetriebsgemeinschaften. Die am besten geeigneten Aufträge liegen in einer Entfernung von höchstens 10 - 15 Kilometern Umkreis zu seinem Heimatort Wehlmäusel. Weitere Anfahrten sind durch die Anfahrt mit dem Traktor sehr zeitintensiv.

Wie sehen Deine Aufgaben übers Jahr verteilt aus?

Der eigentliche Wunsch ist es, über das Jahr verteilt zur Jahreszeit passende Tätigkeiten im Wald durchzuführen. Die aktuelle Klimasituation und die damit stark wachsende Borkenkäferpopulation machen diesem Ansinnen jedoch einen Strich durch die Rechnung. So müssen auch im Sommer verstärkt Bäume gefällt werden. Normalerweise ist diese Jahreszeit für Kulturpflege, Zaunkontrolle und Zaunbau vorgesehen. Die "Käfersaison" beginnt aktuell im Mai und geht bis mindestens Ende September.

kaeferbaum

Grundsätzlich ist die beste Jahrezeit für die Holzernte aber der Winter. Hier ist der Boden gefroren und die Bäume sind nicht im Saft. So ist es möglich sehr schonend für die Natur im Wald zu arbeiten.

Im Frühjahr und Herbst ist man im Regelfall mit Kulturbegründungen und Aufpflanzungen beschäftigt.

Über das ganze Jahr verteilt gibt es immer wieder Aufträge zur Spezialbaumfällung, Baumpflege mit Seilklettertechnik und mit Hebebühnen. Oft sind hier Gemeinden und Städte Auftraggeber - sie sind in der Pflicht gemeindeeigene Bäume so zu unterhalten, dass keine Sicherheitsbedenken bestehen. So werden diese regelmäßig von Baumkontrolleuren besichtigen. Je nach Ergebnis müssen dann zum Beispiel Totäste entfernt oder Bäume gefällt werden.

Vom Wald bis zum Sägewerk: Welche Arbeitsschritte und Prozesse sind dafür nacheinander notwendig?

Fällen des Baumes

Je nach Baumart ist ein Baum nach ca. 90 bis 100 Jahren hubreif. Um ihn zu fällen trifft man zuerst Vorbereitungen um den Baum herum und sperrt eventuelle öffentliche Wege um die Fällstelle herum ab. Direkt am Baum legt man verschiedene Fluchtkorridore so frei, dass man bei einem schnellen Zurückweichen nicht stolpert und sich so einer großen Gefahr aussetzt.

Baum im Wald umsägen

Für das Fällen selbst gibt es verschiedene Techniken - beliebt ist aktuell z.B. der Kastenschnitt. Hier kann man den Baum sehr sicher für den Wurf vorbereiten und konzentriert alle nötigen Schritte erledigen. Die wichtigsten Punkte erklärt Stefan im folgenden Video:

Im ersten Schritt wird ein Orientierungsschnitt gesägt. Dieser zeigt in die Richtung, in die der Baum am Ende fallen soll. Ist dieser angelegt, werden die beiden Seiten des Baumes so zugeschnitten, dass am Ende der typische Kasten entsteht.

Danach sägt man auf Seiten des Orientierungsschnittes den Fallkerb ein. Hinter dem Fallkerb sollte dabei auf alle Fälle die sogenannte Bruchleiste erhalten bleiben - ein ca. 3cm breiter Bereich, der nicht durchgesägt wird. Über diese Kante soll der Baum später fallen.

Stechschnitt beim Fällen eines Baumes

Im Anschluss erfolgt der Stechschnitt - hier wird der Baum mit der Motorsäge durchstochen - also mit der Spitze beginnend durchgesägt. Am hinteren Ende lässt man dabei ein Stück Holz (auch Band genannt) stehen. Dieses stabilisiert den Baum und verhindert ein vorzeitiges Fallen.

Als letzten Schritt vor dem Fällvorgang schlägt man in den Stechschnitt Keile ein. Mit deren Hilfe wird der Baum so unter Spannung gesetzt, dass er in die gewünschte Richtung fällt. Sitzen die Keile, durchtrennt man mit der Motorsäge das Stützband. Der Baum fällt!

Entasten eines Baumes

Liegt der Baum auf der Erde wird er entastet, um eine genaue Betrachtung zu ermöglichen. Die Aufarbeitung des Stammes erfolgt dann nach der sogenannten Aushaltung. Diese enthält Kriterien wie Güteklassen, Sortiment oder auch Stärkeklassen. Nach dieser Einordnung werden die Stämme dann direkt abgelängt und markiert.

Rücken

Um die Stämme für den Weiterverkauf bereit zu machen, müssen diese an einer zentralen Stelle bereitgestellt werden. An sogenannten Holzplätzen werden so alle Stämme gesammelt. Dieser Prozess nennt sich Rücken.

Rückezange für den Wald

Dafür werden zuerst alle Stämme mit Hilfe einer Seilwinde in die Nähe einer Rückegasse gezogen. Dabei ist insbesondere wichtig, dass man möglichst vorsichtig mit dem Baumbestand umgeht. So sollte man eine Verdichtung des Waldbodens und das Anschleifen von bestehenden Bäumem möglichst vermeiden.

Mit einem Rückefahrzeug oder Rückewagen werden die Stämme dann an der Rückegasse aufgesammelt und zur zentralen Sammelstelle gefahren.

Insbesondere bei Käferholz ist das schnelle Rücken übrigens unerlässlich: die befallenen Bäume müssen möglichst schnell möglichst weit außerhalb des Waldes gebracht werden. Sonst entstehen hier neue Brutherde und die Population steigt weiter an.

Welche Werkzeuge & Maschinen gehören zu Deiner Grundausstattung?

Das wichtigste Werkzeug ist natürlich die Motorsäge. Hier sind in der Regel Modelle mit verschiedener Leistungsstärke und Schwertlänge im Einsatz. Für das Fällen braucht man z.B. meist größere Maschinen - beim Entasten setzt man gerne kleine, leichte Modelle ein.

Motorsäge im Wald

Für den Fällprozess sind zudem Keile und eine Spaltaxt nötig. Mit deren Hilfe bekommt der Baum oft den letzten nötigen Impuls um in die richtige Richtung zu fallen.

Immer am Gürtel hat man zudem ein Maßband um den Baum nach dem Fällen richtig einteilen zu können und so wenig Verschnitt produziert. Zudem benutzt man eine Kreide, mit deren Hilfe die Stämme markiert werden.

Traktor für den Waldeinsatz

Zum Bewegen der Stämme benötigt man dann z.B. einen Traktor, eine Seilwinde und einen entsprechenden Rückewagen.

Bei der Waldpflege im Sommer sind Freischneider und Sensen unerlässlich. Ein Einsatzzweck hierfür ist z.B. das Freistellen von Jungbäumen. Hier müssen oft Brombeeren und andere stark wachsende Pflanzen zurückgeschnitten werden. So bekommen Wertbäume genügend Licht.

Zum Pflanzen der Bäume gibt es Holzspaten und sogenannte Hauen - mit deren Hilfe können Bäume schnell in der richtigen Tiefe gepflanzt werden.

Wie sieht aus Deiner Perspektive eine nachhaltige Forstwirtschaft aus und wo siehst du aktuell die größten Veränderungen?

Ein grundlegenes Prinzip für die Waldbewirtschaftung ist folgendes: weniger entnehmen als nachwächst. Wenn man dieses beachtet, macht man schon viel richtig.

Zudem sollte man bei der Pflanzung auf die klimatischen Veränderungen Rücksicht nehmen und auf anfällige Monokulturen verzichten.

Große Veränderungen gibt es aktuell auch in der Struktur des Waldes und seiner Anlage. Hat man die Möglichkeit Strukturen vorzugeben, versucht man vermehrt gleich zu Beginn Gassen für die Waldpflege und den Harvester mit einzuplanen. Hat man definierte Wege wird später bei der Bewirtschaftung weniger Schaden angerichtet. Zudem hat man damit die Möglichkeit, den Wald schneller und effizienter mit entsprechenden Maschinen zu bewirtschaften.

Wie geht es weiter?

Erstmal mit einem herzlichen Dankeschön: Stefan, vielen Dank, dass Du Dir Zeit für uns genommen hast!

Auch in den nächsten Wochen möchten wir euch noch verschiedene Akteure des Holzkreislaufes vorstellen: bleibt gespannt!

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